Bevor ich zum OP-Bericht komme, hier meine kurze, persönliche „Sehgeschichte“: Seit Ewigkeiten trage ich wegen „normaler“ Kurzsichtigkeit eine Brille. Ohne Brille habe ich einen Visus von ca. 0,05 gehabt, mit immer Adleraugen, Visus 1,6.
Im letzten Spätsommer haben meine Sehprobleme dann angefangen... um es kurz zu machen: Nach über einem halben Jahr mit täglichen starken Kopfschmerzen, diversen Fachärzten (wegen der Kopfschmerzen), vier Augenärzten und zwei Uni-Kliniken hatte ich dann auch von augenärztlicher Seite die Diagnose „Keratokonus“ auf beiden Augen mit der Empfehlung, mir doch harte Kontaktlinsen anpassen zu lassen. Wie hat Dom es so schön ausgedrückt: „Eigentlich der klassische Diagnoseweg“. Über die Jahre habe ich diverse Kontaktlinsen unterschiedlicher Bauart mit viel Enthusiasmus auch für längere Zeit ausprobiert, habe jedoch keine Linsenart vertragen. Kontaktlinsen waren also keine Option für mich.
Mit einer einigermaßen verträglichen Kompromiss-Brille hatte ich nun einen Visus von 0,5. Also erst einmal Essig mit Autofahren und und und, aber wem erzähle ich das
Da sich der Großteil meiner Sehverschlechterung relativ schnell im letzten Jahr eingestellt hat, habe ich angefangen, mich eingehend über Behandlungsmethoden zu informieren. Mein hehres Ziel war, meine Sehkraft mit Brille wieder deutlich zu verbessern und einer weiteren Verschlechterung ein Stoppschild vorzusetzen, bei KK ja eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit.
Durch eine Vernetzung allein den aktuellen Zustand einzufrieren kam für mich nicht in Frage, und für alle anderen Behandlungsmethoden kam mein Keratokonus nicht in Frage. So habe ich mich nach Rom aufgemacht, um Dr. Lombardi kennenzulernen und mir ein persönliches Bild zu machen.
Eigentlich hatte ich vor, bei einem positiven Eindruck zunächst einmal nur mein schlechteres Auge operieren zu lassen, auch wenn ich dann bis zur OP am zweiten Auge mit einem großen Dioptrienunterschied würde klarkommen müssen. Im Wartezimmer bin ich mit einer anderen deutschen Patientin ins Gespräch gekommen, die mir aus ihrer Erfahrung heraus empfahl, doch gleich beide Augen operieren zu lassen, dann „hätte ich das G’schiss nur einmal“.
Nach der ausführlichsten Augenuntersuchung bei „einem“ Augenarzt überhaupt, habe ich auch mit Dr. Lombardi über meine Bedenken bzgl. des zu erwartenden Dioptrienunterschieds gesprochen. Er riet mir, beide Augen an einem Tag operieren zu lassen, weil dann alle Umgebungsvariablen so ähnlich seien wie sie nur sein können, um zu einem möglichst augensymmetrischen Ergebnis zu kommen, aber ich könne mir das bis zur OP ja noch überlegen.
Na ja, was soll ich sagen, am nächsten Tag habe ich mir dann beide Augen mini-arken und vernetzen lassen. Zu Beginn der OP war ich ziemlich nervös und angespannt, so dass mir dann eine stabilisierende Halskrause verpasst wurde. Damit ging es um Längen besser, ich konnte mein Kinn auflegen und meinen Kopf verankern, so dass ich mich während der OP immer besser in die Situation „hineinentspannen“ konnte. Dass ich innerhalb der OP-Pausen ohne Brille fast schon so gut sehen konnte wie vorher mit, hat zusätzlich zur Entspannung und ruhigem Atem beigetragen, und nach eineinhalb Stunden war die Sache dann zunächst einmal gegessen...
Die ersten beiden Nächte waren hochgradig unangenehm, ein Gefühl, als hätte mir jemand tonnenweise Sand in die Augen gestreut, Augen auf war übel, Augen zu ebenso bescheiden. Die lokalanästhetischen Tropfen haben mich einigermaßen durch die ersten 48 Stunden gebracht, andere Schmerzmittel haben nichts gebracht. Zwei Tage später war ich dann noch einmal zur Nachkontrolle bei Dr. Lombardi, alles wunderbar, wenig Fibrinfäden und vor allem keine Entzündung.
Die Klimaanlagen im Leonardo-Express zum Flughafen und im Flugzeug waren die Hölle, die Lichtempfindlichkeit ließ sich mit Kappe und Sonnenbrille einigermaßen aushalten. Das Sandgefühl in den Augen ist in den ersten beiden Wochen komplett verschwunden, und der Vernetzungsnebel lichtet sich zusehends.
Jetzt, zwei Monate nach der OP, trage ich zwar immer noch die moderne Version des Garbo-Looks, Kappe und Sonnenbrille, auch im Haus; obwohl die Lichtempfindlichkeit sehr langsam immer mehr nachlässt, ist weitere Geduld angesagt. Dr. Lombardi hatte angekündigt, dass die Lichtempfindlichkeit bis zu mehreren Monaten anhalten kann, so dass meine Photophobie für mich nicht wirklich überraschend ist.
Beim Sehtest mit Phoropter-Brille bin ich beim letzten Mal mit einem Auge bei 120% gelandet, mal schauen, wie sich das Ganze dann unter tagtäglichen Sehbedingungen darstellt. Trotz der Tatsache, dass die Geschichte meine Geduld arg strapaziert und ich noch nicht arbeiten kann, kriege ich das dämlich-glückliche Grinsen aus meinem Gesicht nicht weg. Wenn sich meine Hornhäute in einigen Monaten eingependelt haben, gehe ich auch einmal los und gucke, ob und was sich mit iScription bei mir sehkomforttechnisch im Gegensatz zu einer konventionellen Brille reißen lässt...
So, das war's erst einmal,
gute Sicht, Britta