Termine für den KeraLens-"Online-Stammtisch" der Keratokonus Selbsthilfegruppe:

2026: 11. Feb. - 8. Apr. - 10. Jun. - 12. Aug. - 14. Okt. - 9. Dez. 2026 (19:00 - 21:00 Uhr)
-- zum Teil mit Medizinern / Kontaktlinsenspezialisten (wird vorab bekannt gegeben).

Dauerhafter Link zum KeraLens-"Online-Stammtisch": https://lecture.senfcall.de/ker-358-fzk-yqk
(Keine Anmeldung, kein Passwort notwendig - einfach per "Click" zur angegebenen Zeit teilnehmen)

Weitere Infos zu den Stammtischen unter: https://www.forum.keratokonus.de/viewforum.php?f=152
(Zusätzlich oder als Alternative zu den regionalen Treffen.)
Die KeraLens-Accounts der Keratokonus Selbsthilfegruppe auf Instagram und Facebook werden im Verlauf von 2026 gelöscht/deaktiviert.

Es werden neue Kanäle aufgebaut, wie z.B. auf Mastodon und Bluesky. Weitere werden folgen.

Weitere Information und Diskussion dazu bitte hier: https://forum.keratokonus.de/viewtopic.php?t=6501

"Bewusstes" Sehen und Ausblenden von Sehstörungen

Alle neuen Themen zur Erkrankung Keratokonus, die in den oben definierten Bereichen (noch) nicht eingeordnet werden können. Grenzbereiche. Studien.
klabo
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KC-Experience: Ich bin selbst nicht erkrankt, allerdings hat ein Mitglied meiner Familie die Diagnose Keratokonus erhalten. Ich bin deshalb mittelbar betroffen und möchte mehr über Risiken, Möglichkeiten und das Leben mit der Krankheit lernen.

"Bewusstes" Sehen und Ausblenden von Sehstörungen

Post by klabo »

Hallo ins Forum,

ich habe mich vor ein paar Tagen hier angemeldet und hier seitdem eine Menge gelesen, viel über neue Aspekte, Auswirkungen und Möglichkeiten bei einer Keratokonuserkrankung gelernt.

Ich bin selbst nicht betroffen, sondern ein junger Mann in meinem Familienumfeld, am dem mir sehr viel liegt.

Ich bin sehr an neuen Erkenntnissen interessiert. Leider (oder Gott sei Dank?) kannte ich die Bezeichnung „Keratokonus“ bis vor ein paar Tagen gar nicht. Bin also bei dem Thema noch recht unbedarft.

Mich interessiert im Moment (neben den Behandlungsmöglichkeiten) vor allem ein Aspekt des Sehens (nicht nur bei Keratokonus):

Soweit ich gelesen habe, ist der Keratokonus praktisch nie auf beiden Augen identisch. Weder vom Grad der Vorwölbung, noch von der Ausprägung der Hornhautveränderungen (ich nenne es jetzt mal „Topologie“ der Hornhaut, ich kenne den Fachbegriff dafür nicht). Auf verschiedenen Bildern, die im Internet kursieren, kann man sehen, wie Betroffene die unterschiedlichsten Effekte (Doppel- u. Mehrfachbilder, Strahlen, Kontrastverlust etc.) wahrnehmen. Was wie verändert gesehen wird, hängt ja wohl von der Art der Hornhautveränderung, der Lage des Konus und seiner Form ab. Demzufolge müssten sich die unterschiedlichen Effekte auf beiden Augen (wenn sie beide betroffen sind) auch unterschiedlich zeigen, z.B. links mit Doppelbildern und rechts mit Strahlenkränzen.

Erste Frage: ist das so? Kann ich mir das so vorstellen?

Wenn das so ist, nehmt ihr, wenn ihr mit beiden Augen einen Gegenstand anseht, diese unterschiedlichen Bilder beider Augen auch als unterschiedliche Bilder wahr? Oder „vermischt“ sich das gesehene Bild im Gehirn zu einem komponierten Ganzen? Seid ihr euch, zumindest dann, wenn ihr euch darauf, was ihr seht, konzentriert, bewusst, dass ihr mit beiden Augen unterschiedliche Seheindrücke aufnehmt (ohne mit der Hand ein Auge abzudecken oder ein Auge zuzukneifen)?
Und – verbessert sich die allgemeine Erkennbarkeit von z.B. Schrift (…Straßenschilder o.ä.), wenn ihr mit beiden Augen hinseht, oder verschlechtert sich die Sicht gar, weil unterschiedliche Störungen rechts und links sich gegenseitig „aufaddieren“? Kann man durch gezieltes Konzentrieren auf eines der Bilder Störungen, die vom anderen Auge ausgehen, wenigstens zum Teil ausblenden?

Mich beschäftigt das Thema und die Auswirkung auf das Sehen nun aus mehrfachen Gründen. Einmal, wie oben geschrieben, weil in der Familie ein Betroffener lebt. Dann aber aus eigenem Antrieb.

Ich bin zwar, wie gesagt, nicht selbst vom Keratokonus betroffen, ich habe aber auch einen (an sich völlig unproblematischen) selteneren Augenfehler. Ich bin auf dem linken Auge relativ stark kurzsichtig (-5,5, mittlere Hornhautverkrümmung), das rechte Auge ist weitgehend normalsichtig (ca. -0,25, keine Hornhautverkrümmung).

Ich sehe also mit beiden Augen deutlich unterschiedlich. Mit Links ist alles, was weiter weg ist als ca. 25cm, verschwommen, bis hin zur Unkenntlichkeit auch größerer Strukturen wie z.B. Autos in Entfernungen ab vielleicht 50m. Trotzdem kann ich (mit leichten Einschränkungen) gut räumlich sehen, auch bei größeren Entfernungen bis in den km-Bereich, kann problemlos 3-D-Effekte sehen, z.B. IMAX & Co. Das alles ohne Brille. Eine Brille trage ich nur beim Autofahren.

Ich bin mir allerdings, wenn ich mich darauf konzentriere, zu jedem Zeitpunkt bewusst, dass ich zwei verschiedene Bilder sehe und ich kann mich auch – bedingt – auf das Sehen eines dieser beiden Bilder konzentrieren. Andersrum kann ich mich dazu zwingen (nein, nicht zwingen, das ist eher der „Normalfall“), mit beiden Augen zusammen ein Gesamtbild zu sehen. Ich kann mir also, je nachdem, was ich mir ansehe, das bessere der beiden Bilder „aussuchen“ oder aber die Komposition aus beiden.

Habt ihr diese Möglichkeit auch? Indem ihr euch bewusst auf das Bild eines der beiden Augen konzentriert? Wenn ja, habt ihr das (unbewusst oder bewusst) trainiert? Hilft das, gestörte Seheindrücke wenigstens teilweise „wegzurechnen“ oder auszublenden?

Für mich ist die Möglichkeit des „Aussuchens“ der Bilder ein völlig normales Phänomen. Ich weiß aber von „Normalsichtigen“, dass die sich häufig noch nicht mal dessen bewusst sind, dass sie mit 2 Augen sehen, von unterschiedlichen Bildern im Gehirn ganz zu schweigen.

Ganz allgemein gefragt: beschäftigt ihr euch beim Sehen bewusst mit den Effekten, die ihr seht und – wenn ja – hilft das?

Vielen Dank für’s Lesen…

Liebe Grüße – Klaus
th1mo
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KC-Experience: Mit zirka 16 wurde die Hornhautkrümmung bei mir von meiner Augenärztin festgestellt, anfangs nur auf dem rechten Auge.
Experience with eyeglasses / lenses: - keine ausreichende Korrektur mit Brille möglich
- Unverträglichkeit von harten Linsen
- Lösung: Sklerallinsen
Operationen: 11.2014 Cornea Crosslinking linkes Auge
04.2014 Keratoplastik rechtes Auge
07.2012 Cornea Crosslinking rechtes Auge

Re: "Bewusstes" Sehen und Ausblenden von Sehstörungen

Post by th1mo »

Hallo Klaus,

ich versuche mal deine Fragen aus meiner Sicht zu beantworten:
Zum ersten Absatz: Generell denke ich: ja, das ist so. Wobei dir wahrscheinlich jeder seine optischen Eindrücke (etwas) anders beschreiben wird.
Bei mir ist die "Krankheit" recht weit fortgeschritten und die Ausprägung des Keratokonus auf beiden Augen sehr unterschiedlich.

Links: ohne Korrektur noch etwa ein Visus von 0,4. Doppelt bzw. mehrfachsehen vorhanden. Besonders merke ich das, wenn die Umgebung dunkel ist und ich eine Lichtquelle anschaue. Zum Beispiel sehe ich den Mond nicht ein mal, sondern etwa 6-7 mal, jeweils immer mit ovalen Strahlenringen mit dem "Hauptmond" verbunden.

Rechts: ohne Korrektur etwa einen Visus von 0,05, also so gut wie blind. Warten auf Horhauttransplantat für Transplantation.
Das Mehrfachsehen wird jeodch auch hier bei hellen Lichtquellen deutlich. Z.B. durch einen sehr verschwommennen Mond, den ich etwa 15 mal sehe (ähnlich wie mit links, nur krasser).

Sehe ich nun garnz normal mit beiden Augen etwas an, wird das Gesamtbild durch die Einwirkungen des rechten Auges deutlich schlechter, weshalb ich, wenn ich etwas zu erkennen versuche (Bsp: am Computer, in der Ferne) immer das rechte Auge schließen und das linke etwas zusammenkneifen muss. Dies geschieht oft schon intuitiv, so dass mein Gehirn quasi eh nur die Eindrücke des linken Auges verarbeitet.
Generell denke ich aber, dass "wir" im Vergleich zu einem Normalkurzsichtigen auch nicht großartig anders ohne Sehhilfe sehen. Verschwommen bleibt verschwommen ;)

Mit formstabilen Kontaktlinsen erreiche ich auf beiden Augen einen deutlich besserern Visus (li 0,7, re 0,3). Um noch mal auf deine Frage einzugehen: Schrift und Straßenschilder sehe ich mit Kontaktlinsen als EIN Bild und das ist relativ deutlich. Ohne Kontaktlinsen addieren sich die verschwommenen Bilder auf und es ist nur schwer möglich ein Straßenschild zu erkennen ohne das rechte Auge zukneifen zu müssen. (Ich glaube bei mir ist das aber auch ein Extrembeispiel, weil das rechte Auge wie gesagt nicht mehr viel sieht)

Ich hoffe bei deinem jungen Freund ist und wird das ganze nicht all zu dramatisch! Denn so wie ich das bisher so mitbekommen habe, haben viele Menschen eine Hornhautkrümmung oder gar Keratokonus, aber nur bei den wenigsten wird dies zum Problem im Alltag. Wichtig ist es einen Augenarzt und einen Augenoptiker an der Seite zu haben, welche sich mit der Krankheit "Keratokonus" auskennen und so (z.B durch speziell angepasste Kontaktlinsen) eine gute Sehschärfe sicherstellen können.

Ich hoffe ich konnte dir etwas helfen.

Gruß
Thimo
MaHa
-
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Joined: 2011-12-29, 20:58
KC-Experience: Großmutter litt an Keratokonus - KK seit 1974 festgestellt, rechts mehr als links - Harte Kontaktlinsen, Transplantation rechts (1990), links (1997), sehr, Korrektur mit Brille möglich!! - seit 2011 starke Achsenverschiebung links, Neubeginn des Keratokonus?
Keratoconus since: festgestellt im Alter von ca. 20 Jahren.
Experience with eyeglasses / lenses: erste Anpassung ca 1974 war schrecklich;
harte Linsen, Verträglichkeit ca. 1 - 2 h am Tag;
1975: Anpassung bei gutem Optiker, der sich viel Zeit genommen hat;
harte Linsen, Verträglichkeit bis zu 4 h am Tag;
1978: Anpassung der Linsen an der Uniklinik Tübingen, erstmals speziell für KK, zuerst hatre Linsen, dann hochgasdurchlässig; hochgasdurchlässige Linsen bis zu 10 h am Tag einsetzbar - am Wochenende war Linsen-frei
seit 1997 (OP am 2. Auge) Korrektur mit Brille möglich.
Operationen: Transplantation rechts (1990, Uniklinik Erlangen, Herr Dr. Jonas), anfangs sehr guter Erfolg, dann wieder starker Astigmatismus - Reaktion rechts 1994 - Korrektur-OP rechts 1995 - Transplantation links (1997, Uniklinik Erlangen, Herr Prof. Naumann), sehr guter Erfolg, Korrektur mit Brille möglich!! - seit 2011 starke Achsenverschiebung links, Neubeginn des Keratokonus; Korrektur-OPs 2013 und 2014
Begeiterscheinungen: Probleme bei schlechten Lichtverhältnissen -> schnelle Ermüdung; Blendung; bei Nacht, schlechtes Sehen;
Bluthochdruck; Gelenkschmerzschübe (seit 2011); Erschöpfung, Depression
Mögliche Ursachen: ererbt
Ich über mich: verheiratet seit 1980, 2 erwachsene Töchter
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Re: "Bewusstes" Sehen und Ausblenden von Sehstörungen

Post by MaHa »

Hallo Klaus,

ich habe Deine Frage schon vor einiger Zeit gelesen. Ich finde diese Frage interessant und lustig. Deshalb habe ich mich bzw. mein Sehen in den letzten Tagen sehr intensiv beobachtet, und kann Dir nun die Ergebnisse meiner „Studie“ zusenden.

Ich sehe am besten, wenn der Himmel mit dunkelgrauen Wolken bedeckt ist oder in einem gleichmäßig , nicht zu grell ausgeleuchteten Raum.
Wenn ich dann einen Gegenstand mit beiden Augen anschaue, sehe ich diesen einmal als kräftigen Gegenstand und rechts oberhalb davon einen Teil des Gegenstandes wie einen Schatten, nebelig, durchsichtig, schwebend.

Sind meine Augen stark angestrengt, wird der Schatte größer.

Wenn ich den Gegenstand nacheinander mit dem linken und dem rechten Auge betrachte, dann sehe ich diesen mit dem rechten Auge größer, etwas nach oben versetzt und leicht nach links gekippt als wenn ich ihn mit den rechten Auge betrachte.
Auch Farben sehe ich unterschiedlich: Links kräftig, rechts blasser.

Lacht die liebe Sonne vom Himmel, dann ist es mir nicht besonders zum Lachen. Alles fließt - alles zerfließt ineinander. Da gibt es keinen Unterschied zwischen rechts und links und beiden Augen – alles löst sich in großflächig ineinanderfließende Flächen auf! Dann stimme ich mein Loblied an, auf die Erfinder von dunkler Sonnenbrille und Baseballmütze, packe die guten Dinge aus meinem Rucksack und bedecke damit Kopf und Augen. Meine Töchter und meine Frau meinen zwar, dass ich so angetan sehr unvorteilhaft aussähe. Mich stört das nicht: ersten sehe ich mich ja nicht und zweitens sehe ich die Dinge um mich herum mit den besagten Utensilien besser als ohne diese. Alles hat dann wieder Formen – Häuser, Personen und vor allem die Autos.

Besonders lustig wird es nachts wenn ich punktuelle Lichtquellen betrachte, wie: Kerzen, Leuchten, Straßenleuchten, Scheinwerfer und Rücklichter von Autos usw.

Mit dem linken Auge sehe ich solche Lichtquellen als Stern mit einer hellen Fläche im Zentrum und Strahlen, die nach unten ca. 1 m lang sein dürften, seitlich und oben etwa 50 cm. Pro Lichtquelle sehe ich einen Stern.
Mit dem rechten Auge sehe ich ein einem Strichmännchen-ähnliches Lichtgebilde, das etwa 1,5 m groß ist. Auch hier sehe ich einen Lichtmann pro Lichtquelle.

Betrachte ich die Lichtquelle mit beiden Augen und meine Augen sind ausgeruht, dann sehe ich diese ebenfalls als Stern, jedoch mit längeren Strahlen, als wenn ich nur mit dem linken Auge schaue.

Betrachte ich die Lichtquelle mit beiden Augen und meine Augen sind überanstrengt (z. B. am Wochenende, nach einer harten PC-Arbeitswoche oder einfach am Abend nach der Arbeit), dann wird es sehr interessant. Dann sehe ich die Lichtquelle anfangs als Stern, aus denen sich nach wenigen Sekunden der „Strichmann“ herauslöst. Dieser schwebt ganz langsam vom Stern weg und bleibt dann rechts, oberhalb des Sterns stehen – Weihnachtsstern mit Engel sozusagen.

Besonders fröhlich stimmt es mich, wenn mehrere Lichtquellen strahlen z. B. auf der Autobahn im Kolonnenverkehr – ich fahre nur noch als Beifahrer!. Rote Rücklichter, rote Bremslichter, orangefarbene Blinker von 10 oder mehr Fahrzeugen und jede Lichtquelle erzeugt, mit dem rechten Auge betrachtet einen Strichmann. Die Roten Strichmänner der Rücklichter sind immer da. Wird gebremst, kommen neue, hellere rote Männchen hinzu. Beim Blinken dann die orangenen, die entsprechend im Blinktakt auftauchen und verschwinden. Mit beiden Augen betrachtet, das Gleiche mit den Sternen.

Du siehst, mir wird so einiges geboten. Leider halte ich das Lichterspiel nicht sehr lange aus, weder mit einem, noch mit beiden Augen betrachtet. Ich werde davon, egal ob es sich um die Sterne oder um die Leuchtmännchen handelt, extrem müde, unkonzentriert und benommen. Aus diesem Grund sitze ich bei Nachtfahrten am liebsten auf dem Rücksitz.

Aber es gibt noch eine Steigerung!

Nachtfahrt auf der Autobahn bei Regen. Ich sehe dann, abhängig ob ich mein linkes, rechtes oder beide Augen „betreibe“ die hüpfenden, zappelnden, blinkenden Sterne oder Lichtmännchen oben und dann das Ganze noch einmal als Spiegelung von der Fahrbahnoberfläche. Der absolute Wahnsinn.

Auch in diesem Fall ist der Rücksitz die beste Wahl – Rücksitz und Augen zu.

Wenn ich mit beiden Augen gucke, kann ich nicht auf das linke oder rechte Auge schalten.

Ich denke, dass dies davon kommt, dass mein Gehirn einfach sehr viel arbeiten muss um eine ordentliches Gesamtbild zu erzeugen.

Manchmal finde ich es ganz lustig so zu sehen und spiele mit den Effekten, die sich mir bieten.

Manchmal würde ich das Ganze gerne durch meine Augen fotografieren, ich hätte gute Chancen auf einen Kunstpreis. Zum Zeichnen meiner Lichtfiguren fehlt mir leider das Talent.

Beste Grüße

Martin
klabo
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KC-Experience: Ich bin selbst nicht erkrankt, allerdings hat ein Mitglied meiner Familie die Diagnose Keratokonus erhalten. Ich bin deshalb mittelbar betroffen und möchte mehr über Risiken, Möglichkeiten und das Leben mit der Krankheit lernen.

Re: "Bewusstes" Sehen und Ausblenden von Sehstörungen

Post by klabo »

Hallo Thimo, hallo Martin,

besten Dank für eure beiden ausführlichen Schilderungen.

Zwischenzeitlich hatte ich, weil keine Reaktionen kamen, schon die Befürchtung, dass ich in irgendein ‚Fättnäpfchen’ getreten sein könnte, wenn ich als Nichtbetroffener hier so intime (?) Fragen stelle und mich einmische…

Ich möchte aber noch einmal versichern, mir ist es Ernst damit und mir liegt wirklich viel daran, dieses Krankheitsbild zu verstehen und zu begreifen, was ein Mensch mit Keratokonus sieht (bzw. was nicht).

Ich beschäftige mich schon seit meiner frühesten Jugend bewusst mit dem Sehen; meine Fehlsichtigkeit trat erstmals mit 12 oder 13 Jahren auf, davor war ich auf beiden Augen normalsichtig, ich habe die beginnende Fehlsichtigkeit damals selbst erkannt und das Fortschreiten der einseitigen Kurzsichtigkeit und die Effekte der Hornhautverkrümmung recht bewusst wahr genommen.

Damals begann ich, mich für Astronomie zu interessieren. Damit einher gingen optische Experimente, Beobachtungen mit Teleskopen und diversen anderen optischen Geräten. Hätte ich das nicht getan, wäre mir meine Seh-Abnormität wohl nicht oder sehr viel später aufgefallen.

Eure beiden Schilderungen fand ich nun sehr aufschlussreich. Ihr beide berichtet darüber, dass die Strahlen oder Mehrfachbilder bei hellen bzw. sehr kontrastreichen Umgebungen stärker (oder sogar viel stärker) auftreten. Also hauptsächlich bei Lichtquellen. Das kann ich nachvollziehen. Das ‚selektive Sehen’, von dem ich bei mir sprach, kann ich auch nur bei kontrastreichen, insbesondere hellen, Umgebungen und Bildern (z.B. Fernseher und Monitor).

Wenn ich mich dann auf das ‚andere’ Bild, als das des gerade schlechteren Auges (*), konzentriere, erscheinen für mich 2 Bilder, die ich leicht gegeneinander versetzen kann. Das entspricht dann wohl dem, was Martin meint, wenn er von dem „Weihnachtsstern mit Engel“ redet. Bei mir tritt dann eine Art Schielen auf und die beiden Bilder beider Augen ‚trennen’ sich und ich kann sie einzeln bewusst betrachten und das andere Bild fast vollständig ignorieren.

(*) Wenn ich von dem ‚gerade schlechteren’ Auge rede, meine ich Folgendes: Ich lese zu 90-95% mit dem linken Auge, alles was weiter weg ist als Armeslänge, sehe ich fast ausschließlich mit dem rechten Auge scharf. Allerdings wird das Bild, wenn ich nur mit einem Auge sehe, sowohl beim Lesen als auch in der Ferne etwas kontrastärmer.

Ich hatte nun insgeheim gehofft, dass man bei einem Keratokonus die Vermischung beider Fehlsichtigkeiten zumindest teilweise ausblenden kann, um sich auf das Auge zu konzentrieren, das bei der jeweiligen Sehsituation den besseren Seheindruck liefert. Zumindest hatte ich gehofft, dass man diese Fähigkeit durch Übung und Konzentration erreichen kann.

Bei mir klappt das wie gesagt, aber ich will meinen Sehfehler nicht mit dem euren vergleichen. Schade find’ ich’s trotzdem. Praktisch alle Augenärzte und Optiker, bei denen ich in dem letzten Jahrzehnten war, behaupteten, dass ich mit meinen so unterschiedlichen Augen gar nicht richtig sehen kann und massive Probleme haben müsste. Habe ich aber nicht. Die können sich halt nicht vorstellen, was ich sehe und was nicht.

Eine Anmerkung habe ich noch zu Deiner Aussage, Thimo:

„Rechts: ohne Korrektur etwa einen Visus von 0,05, also so gut wie blind.“

Nach der gängigen Einstufung hat mein linkes Auge einen Restvisus von weit unter 1%. Trotzdem bin ich weit davon entfernt, mich auf diesem Auge als „so gut wie blind“ zu fühlen.

Es ist aber wohl die jahrzehntelange Übung und Gewöhnung, die mich in die Lage versetzt, in der Ferne auch noch mit meinem extrem kurzsichtigen Auge Informationen aufzunehmen und so z.B. (ohne Brille!) räumlich sehen zu können. Es ist jedenfalls ein eklatanter Unterschied in der Räumlichkeit, ob ich mir das linke Auge zuhalte oder nicht. Auch das ist etwas, was mir von Fachleuten konsequent abgesprochen wird.

Ich würde mich weiterhin freuen, wenn der oder die Eine oder Andere etwas zu Seinen/Ihren Seheindrücken und der Vermischung von Effekten berichten könnte.

Zunächst mal vielen Dank an euch!

Liebe Grüße – Klaus
Snej
-
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Joined: 2012-12-19, 19:52
KC-Experience: Anfang 2013
Diagnostiziert wurde die Krankheit bei mir erst mit 44 Jahren
einige Symptome hatte ich bereits seit langen; Doppelbilder erst seit einigen Wochen
am schlimmsten ist das Betrachten von Gesichtern; erkenne Menschen gegenüber früher erst viel später + sehe oft auch verzerrte Gesichter
zur Zeit warte ich leider noch auf Kontaktlinsen
Oktober 2013
Kontaktlinsen habe ich mittlerweile; vieles sehr viel besser - vieles immer noch anstrengend, nervend und auch belastend; aber, die gute Zeit überwiegend ganz klar!!!

Re: "Bewusstes" Sehen und Ausblenden von Sehstörungen

Post by Snej »

Hallo Klaus,

ich denke mir, dass ein zusätzliches Problem bei Keratokonus ist, dass die Ausprägung der einzelnen Abbildungsfehler des Augens (Mehrfachbilder, Schatten, Koma, Halo, sphärische Aberation, Trifoil etc.) im Laufe des Tages bzw.von Tag zu Tag sehr stark schwanken. Und dies auch in Bezug auf die Unterschiede zwischen den beiden Augen.

Daher denke ich mir schon, dass das Gehirn dauernd Korrekturen vornimmt und irgendwie auch das beste "rausholt".

Bewusst lenken kann ich das auf jeden Fall nicht. Ich habe allerdings auch auf beiden Augen Keratokonus.

Mit Keratokonus sieht man ja auch gerade oft "zu viel". Ohne Kontaktlinsen sehe ich z. B. einen Menschen in 20 - 30 m Entfernung sechsmal nebeneinander; ohne dass ich in irgendeiner Weise entscheiden könnte, welche der sechs Bilder das reale ist.

Dies kann man ähnlich auf das Sehen von Lichtquellen mit Kontaktlinsen übertragen; allerdings ist es von sehr vielen Faktoren abhängig, ob ich z. B. Ampellicht nur tatsächlich einmal sehe oder 4, 5 oder 10-mal.

In der Regel sehe ich auch mit jedem Augen einzel betrachtet eine unterschiedliche Anzahl von den Lichtern. Wie das Gehirn dann aus 4 und 7 Lichtern dann 5 Lichter macht, weiß ich leider nicht.

Das Gefühl, dies beeinflussen zu können, habe ich nicht. Ich spüre nur oft, dass es einfach Kraft kostet.

Finde es übrigens sehr gut, dass du als nicht selber Betroffener verstehen möchtest, wie ein Betroffener aus deinem Umfeld sieht. Wie beschreibt dieser Betroffene sein Sehen selber.

Da das Sehen mit Keratokonus ja so unterschiedlich ist, würde ich an deiner Stelle den Betroffenen direkt fragen.

Viele Grüße
Snej
klabo
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Joined: 2014-02-17, 20:48
KC-Experience: Ich bin selbst nicht erkrankt, allerdings hat ein Mitglied meiner Familie die Diagnose Keratokonus erhalten. Ich bin deshalb mittelbar betroffen und möchte mehr über Risiken, Möglichkeiten und das Leben mit der Krankheit lernen.

Re: "Bewusstes" Sehen und Ausblenden von Sehstörungen

Post by klabo »

Hallo Snej,

vielen Dank für Deinen wirklich erhellenden Hinweis. Das hatte ich bei meinen Überlegungen nicht auf dem Schirm, dass sich die Sehfehler teilweise innerhalb kurzer Zeit drastisch ändern können. Jetzt leuchtet mir das ein. Ein Gewöhnen und „wegmaskieren“ falscher bzw. mehrfacher Abbildungen kann so natürlich kaum gelingen. Sich vorzustellen wie das ist und es tatsächlich zu erleben, sind eben zwei verschiedene Paar Schuhe…

Klar, ich frage bei „meinem“ Betroffenen natürlich immer mal nach, wie es ihm geht und was er wie sieht. Aber ein Zweit- und Drittbericht ist natürlich sehr hilfreich. Bedenkt, dass ich als Nichtbetroffener mir hier wie ein Blinder Farben vorstellen muss ;-). (Sorry für den Vergleich…)

Jetzt habe ich aber auch noch eine andere Frage.
Ich gehe mal davon aus, dass ihr Betroffene im Grunde drei verschiedene Möglichkeiten habt:
1. mit Kontaktlinsen, z.B. über den Tag auf der Arbeit. Die KL korrigiert dann sehr gut und ihr seht alles reichlich gut
2. mit Brille, z.B. Abends, wenn die KL raus müssen, weil sie nicht mehr zu ertragen sind. Die Brille korrigiert weniger gut, aber immer noch deutlich besser als ohne.
3. ohne alles, also mit bloßem Auge und dann mit allen Effekten, denen ihr ausgesetzt seid.
Von vielen Brillenträgern weiß man, dass die erhebliche Probleme haben, wenn sie eine neue Brille bekommen und sich zunächst damit „wie besoffen“ vorkommen. Es dauert eine gewisse Zeit (einige Tage), bis die sich an das neue Sehen gewöhnt haben.
Nun sind im obigen Fall innerhalb eines Tages drei völlig verschiedene Seheindrücke zu verkraften. Klappt das wenigstens bei euch nach einer gewissen Zeit problemlos? Könnt ihr euch auf den Wechsel von z.B. der KL zur Brille sofort einstellen? Oder ist das auch immer ein Akt?

Liebe Grüße – Klaus
Günter
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KC-Experience: - Ende 1978 Diagnose KC , mit 14 jahren
- Ende 1990 endgültiger zusammenbruch des rechten Auges, ca. 5% Sehfähigkeit
- April 1991 KP (Keratoplastik, Hornhauttransplantation) rechtes Auge in Heidelberg
- 1993 endgültiger Zusammenbruch des linken Auges, tragen von Linsen nicht mehr möglich, ca. 5% Sehfähigkeit (Visus)
- 1993 fast zur gleichen Zeit, rechtes Transplantiertes Auge wieder einsatzfähig, mit Linse ca. 80%
- Dezember 1995 KP linkes Auge in Jena
- 1997 linkes Transplantiertes Auge wieder einsatzfähig, mit Linse ca. 80%
- 2000 habe einen neuen Optiker, und klasse Linsen jetzt auf beiden Augen ca. 120%
- 2012 Abstoßungsreaktion auf dem linken Auge
- 2013 hohe Belastung für das rechte Auge, das Auge wird instabil. Rekeratokonus mit steigender Instabilität beider Augen
- 2015 März 2015 erneute KP links
- rechtes Auge wird mit Medikamenten einigermaßen stabil gehalten
- 2017 Mai, das linke Auge ist soweit stabil, das ich wieder eine
Kontaktlinse auf dem Auge tragen kann damit erreiche ich einen Visus
von ca. 1,0 (100%). Somit kann ich wieder auf beiden Augen vernünftig
sehen.
Keratoconus since: Ab dem Alter von 14 Jahren.
Experience with eyeglasses / lenses: Mit meinen harten Kontaktlinsen komme ich im großen Ganzen gut klar.

Ich trage sehr gut angepasste quartantenspezifische Kontaktlinsen, von FALCO. Mit diesen erreiche ich einen Visus von ca. 1,0 (100%) auf beiden Augen.

Die Tragezeit der Kontaktlinsen beträgt ca. 10 Stunden pro Tag.
Ohne Kontaktlinsen habe ich links einen Visus von ca. 0.05 (5%) und rechts < 0.05(5%).

Mit einer iScription Brille komme habe ich links ca. 0,3 (30%) und rechts 0,3 (30%).
Dir Brille hat die Werte:
R Spr. -2,75 Cyl -8,50 Achse 175
L Spr. +4,50 Cyl -3,75 Achse 131
Operationen: Auf beiden Augen eine Keratoplastik (Hornhauttransplantation)
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Re: "Bewusstes" Sehen und Ausblenden von Sehstörungen

Post by Günter »

Hallo Klaus,

ich trage über Tags bei der Arbeit Linsen (li. sogar ein Huckepacksystem) und abends nach der Arbeit eine Brille.

Die Umstellung von den Linsen auf die Brille dauert bei mir ca. 2-3 Minuten danach habe ich mich wieder an die Brille gewöhnt.
Gruß Günter
Tim_OS_78
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Joined: 2003-06-03, 21:48
KC-Experience: Ich denke ich hatte die typische KC-Karriere mit vielen Ärzten und Optikern, die keine Ahnung hatten. Es dauerte 6 Monate bis der KC diagnostiziert war. Danach brauchte es noch einige Zeit bis ich einen fähigen Optiker vor der Haustür in Osnabrück gefunden hatte.
Stand Oktober 2008 bin ich zufrieden auch die beiden Operationen gemacht zu haben, denn seitdem brauche ich nicht mehr alle 3 Monate neue Linsen. Die Augen sind seitdem einigermaßen stabil. Also auch wenn das primäre Ziel der OPs eine Sehverbesserung zu erreichen, nicht erreicht wurde, so war es doch ein Erfolg.
Keratoconus since: Ich habe den KC etwa mit 20 Jahren bekommen, das war 1998. Das ging sehr rapide bergab. Und innerhalb von kürzester Zeit war eine zufriedenstellende Sehstärke nur noch mit Kontaktlinsen zu erreichen.
Experience with eyeglasses / lenses: Ich trage täglich mehr als 10 Stunden die Kontaktlinsen und das ist auch mein Mittel der Wahl, da das schlechte linke Auge mit Brille nicht zu korrigieren ist und bei einem Visus von 0% bleibt.
Operationen: Februar 2005 ARK in Rom auf beiden Augen.
Juli 2005 Vernetzung auf dem linken Auge.
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Re: "Bewusstes" Sehen und Ausblenden von Sehstörungen

Post by Tim_OS_78 »

Hallo in die Runde,

bei mir ist es mit Wechsel Linsen auf Brille nicht ganz so einfach. Wenn ich die Linsen rausnehme, dann funktioniert die Brille nicht. Da muss ich immer ca. 1 Stunde warten, dann funktioniert auch die Brille wieder.

Der Hund freut sich aber über die gewonnene Stunde :::grin

Viele Grüße
Tim
Patient A
-
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Joined: 2011-12-12, 11:54
KC-Experience: 100% Sicht bis zum ~20ten Lebensjahr, danach erste Versuche mit einer Brille. Nachdem der Erfolg ausbleibt dann die Diagnose Keratokonus. Mit starken Anlaufschwierigkeiten werden Kontaktlinsen angepasst, die immerhin für ca. 90% Sehkraft auf beiden Augen gut sind. Später dann Hornhautvernetzung links und rechts bei Prof. Dr. Kohlhaas in Dortmund

Re: "Bewusstes" Sehen und Ausblenden von Sehstörungen

Post by Patient A »

Moin,

bei mir klappt es mit einer Brille leider gar nicht.

Der Optiker hat bei dem bisher einzigen Versuch die Stärken der Linsen benutzt und trotzdem war es für mich nahezu ohne Effekt.

Eigentlich sollte die Brille bewirken auch mal ohne Linsen nicht in das Buch oder den Monitor 'hineinkriechen' zu müssen :(

Gruß Andi
reni
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Joined: 2013-03-24, 17:54
KC-Experience: Ich habe selbst Kreatokonus, er wurde letzten Sommer diagnositiziert und mir wurden spezielle Kontaktlinsen angepasst.
Keratoconus since: 2011
Ausbildung Ärzte / Optiker: Uniklinik Ffm

Re: "Bewusstes" Sehen und Ausblenden von Sehstörungen

Post by reni »

Hallo,

das mit dem Wechsel von Kontaktlinsen zur Brille kenne ich auch, dass dauert immer ein bisschen bis sich meine Augen wieder umgewöhnt haben.

Liebe Grüße
Reni
klabo
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KC-Experience: Ich bin selbst nicht erkrankt, allerdings hat ein Mitglied meiner Familie die Diagnose Keratokonus erhalten. Ich bin deshalb mittelbar betroffen und möchte mehr über Risiken, Möglichkeiten und das Leben mit der Krankheit lernen.

Re: "Bewusstes" Sehen und Ausblenden von Sehstörungen

Post by klabo »

Patient A wrote:Moin,

bei mir klappt es mit einer Brille leider gar nicht.

Der Optiker hat bei dem bisher einzigen Versuch die Stärken der Linsen benutzt und trotzdem war es für mich nahezu ohne Effekt.

Eigentlich sollte die Brille bewirken auch mal ohne Linsen nicht in das Buch oder den Monitor 'hineinkriechen' zu müssen :(

Gruß Andi
Hallo Andi, hallo alle Betroffenen,

Deinen Beitrag habe ich (natürlich) schon vor einiger Zeit gelesen. Damals dachte ich „komisch… Die Brille nahezu ohne Effekt?“.
Ich habe mal einige Zeit darüber nachgedacht und auch versucht, darüber zu lesen.
Wenn ich das richtig verstanden habe, funktioniert eine Keratokonus-Kontaktlinse völlig anders als eine herkömmliche KL, auch völlig anders als eine Brille.
Ich schreibe hier mal auf, was ich zu dem Thema gelernt habe – sagt mir, ob ich richtig liege…

Mit einer Brille oder einer normalen KL kann man einen Sehfehler (Hyperopie, Weitsichtigkeit und Myopie, Kurzsichtigkeit) und eine reguläre Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) ausgleichen.
Diese beiden Effekte sind mathematisch/physikalisch gut beschreibbar und damit berechenbar. Der Kurz- und Weitsichtigkeit wird durch die Brille oder KL ausgeglichen, mit einer positiven oder negativen Dioptrien-Korrektur. Der Astigmatismus ist ja wohl – einfach betrachtet – eine Verkrümmung der Hornhaut auf einer Achse. Hier bildet sich längs und senkrecht zu dieser Achse ein Fehlsichtigkeitswert (in Dioptrien) aus. Zusätzlich gibt’s da noch eine Grad-Angabe, die die Lage dieser Verkrümmung angibt. Weil diese beiden Effekte optisch recht einfach (weil „regulär“) sind, lassen sie sich gut korrigieren.

Beim Keratokonus hat’s einen ganz anderen Hintergrund. Die Form der Hornhaut ist irregulär gekrümmt. Nicht nur in einer Achse wie bei Astigmatismus und auch nicht symmetrisch wie bei dieser, sondern mehr oder weniger völlig zufällig. Damit ist sie nicht vernünftig mit Korrekturgläsern korrigierbar, weil ein Brillenglas (oder eine KL) mit der optischen „Gegenform“ der verformten Hornhaut (noch) nicht hergestellt werden kann.
Eine Keratokonus-KL funktioniert völlig anders. Die Hornhautanomalie wird nicht durch eine Gegenanomalie der Linse ausgeglichen, die Außenoberfläche der KK-KL stellt eine „reguläre“, eine gleichmäßige optische Oberfläche (wie die einer gesunden Hornhaut) her. Dadurch, dass die KL zusammen mit der Hornhaut und der Tränenflüssigkeit ein gemeinsames optisches System mit näherungsweise gleichem Brechungsindex der Hornhaut, der Tränenflüssigkeit und der KL bildet, verhält sich das Gesamtgebilde wie eine Hornhaut ohne Verkrümmungen. Die KK-KL gleicht also nicht durch ihre optische (Korrektur-)Form den KK aus, sie stellt durch ihre äußere Form die Form einer gesunden Hornhaut nach. Was m.E. die KK-KL noch leisten muss, ist die Korrektur einer ggf. noch verbleibenden Fehlsichtigkeit, z.B. einer Kurzsichtigkeit von z.B. -3 dpt.

Wenn der Augenarzt diese KK-KL nun „durchmisst“ und mit seinem Standard-Wissen zu Myopie und Astigmatismus daran geht, wird er keine sinnvollen Werte für eine Hornhautverkrümmung messen, maximal eine Fehlsichtigkeitskorrektur in Dioptrien, die zudem wohl auch nicht 1:1 auf ein Brillenglas übertragbar sein muss. Mit diesen Werten eine Brille angefertigt, ist rausgeworfenes Geld.
M.E. bringt eine Brille in Deinem Fall nur etwas, wenn ein Spezialist die Fehlsichtigkeit und den regulären Anteil der Hornhautverkrümmung, die Du ggf. hast, misst und ausgleicht. Den Keratokonusanteil Deiner Hornhaut kann auch der nicht ausgleichen. Aber immerhin solltest Du mit einer Brille, die so angepasst ist, deutlich besser sehen als ohne, wenn auch nicht so gut wie mit der KL.

So… liege ich damit nun einigermaßen richtig? Oder bin ich völlig auf dem Holzweg?

Grüße vom Klaus

PS: „Mein“ Keratokonus-Betroffener hat vor ein paar Wochen sein erstes Crosslinking erhalten. Noch sind keine sinnvollen Fortschritte erkennbar. Immerhin sind die Beschwerden der CL-Behandlung nach ein paar Tagen überstanden gewesen. Drücken wir die Daumen…
sabine s.
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Joined: 2005-05-30, 11:25
KC-Experience: 4x transplantiert, 3x an einem auge, immunsuppression wegen ständiger transplantatabstoßungen, glaukom bereits mehrmals operiert, beginnender katarakt an beiden augen. visus mit brille um die 35%. Kontaklinsenunverträglichkeit .
augen-op´s insges. 13x. bin bei prof. th. neuhann in behandlung.
5. transpl. steht in den starlöchern.??? mehr oder weniger. das 5. transplantat war bereits am anfang märz 08 gefunden worden. 2 h später, anruf vom Prof. er könne es nicht nehmen. jetzt muß ich also weiter warten.
nävus auf der netzhaut inoperabel, tumor in der orbita nähe des sehnerves.
visus bleibt erwiesenermaßen schlecht, bzw. verschlechtert sich zumindest in der nähe und an den äußeren gesichtsfeldrändern. visus scheint irgendwie zu stagnieren, komme gerade so zurecht, wobei das Lesen immer schwieriger wird.
Experience with eyeglasses / lenses: Sehr schnell wurden mir harte KC-Linsen angepaßt, die sich aber andauernd veränderten, so, daß der Anpasser gar nciht mehr nachgekommen ist.
Operationen: 1999 wurde die erste Keratoplastik gemacht. s.o. bei und von Prof. Thomas Neuhann. Alle anderen Keratoplastiken (mit wachsendem Vergnügen, ebenfalls vom Prof. Neuhann der sich absolut rührend um mich kümmert. Div. Trabekulektomien, Div. Cortisonspülungen....................alles zwar Operationen, aber immer irgendwie im Vorbeigehen.
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Re: "Bewusstes" Sehen und Ausblenden von Sehstörungen

Post by sabine s. »

hallo klaus,

super! ich denke mal, das hast du gut und verständlich erklärt. klingt auch logisch und nachvollziehbar, dann wirds so schon faktisch stimmen, :oops: :oops:

grüßle
sabine
Günter
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Joined: 2003-06-03, 15:12
KC-Experience: - Ende 1978 Diagnose KC , mit 14 jahren
- Ende 1990 endgültiger zusammenbruch des rechten Auges, ca. 5% Sehfähigkeit
- April 1991 KP (Keratoplastik, Hornhauttransplantation) rechtes Auge in Heidelberg
- 1993 endgültiger Zusammenbruch des linken Auges, tragen von Linsen nicht mehr möglich, ca. 5% Sehfähigkeit (Visus)
- 1993 fast zur gleichen Zeit, rechtes Transplantiertes Auge wieder einsatzfähig, mit Linse ca. 80%
- Dezember 1995 KP linkes Auge in Jena
- 1997 linkes Transplantiertes Auge wieder einsatzfähig, mit Linse ca. 80%
- 2000 habe einen neuen Optiker, und klasse Linsen jetzt auf beiden Augen ca. 120%
- 2012 Abstoßungsreaktion auf dem linken Auge
- 2013 hohe Belastung für das rechte Auge, das Auge wird instabil. Rekeratokonus mit steigender Instabilität beider Augen
- 2015 März 2015 erneute KP links
- rechtes Auge wird mit Medikamenten einigermaßen stabil gehalten
- 2017 Mai, das linke Auge ist soweit stabil, das ich wieder eine
Kontaktlinse auf dem Auge tragen kann damit erreiche ich einen Visus
von ca. 1,0 (100%). Somit kann ich wieder auf beiden Augen vernünftig
sehen.
Keratoconus since: Ab dem Alter von 14 Jahren.
Experience with eyeglasses / lenses: Mit meinen harten Kontaktlinsen komme ich im großen Ganzen gut klar.

Ich trage sehr gut angepasste quartantenspezifische Kontaktlinsen, von FALCO. Mit diesen erreiche ich einen Visus von ca. 1,0 (100%) auf beiden Augen.

Die Tragezeit der Kontaktlinsen beträgt ca. 10 Stunden pro Tag.
Ohne Kontaktlinsen habe ich links einen Visus von ca. 0.05 (5%) und rechts < 0.05(5%).

Mit einer iScription Brille komme habe ich links ca. 0,3 (30%) und rechts 0,3 (30%).
Dir Brille hat die Werte:
R Spr. -2,75 Cyl -8,50 Achse 175
L Spr. +4,50 Cyl -3,75 Achse 131
Operationen: Auf beiden Augen eine Keratoplastik (Hornhauttransplantation)
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Re: "Bewusstes" Sehen und Ausblenden von Sehstörungen

Post by Günter »

Hallo,

deine Erklärung ist im wesentlichen zutreffend, ähnliche Erklärungen findest Du noch einige im Forum. Eine von mir, ergänzt durch weitere Beiträge, findest Du unter http://www.forum.keratokonus.de/viewtop ... =85&t=4640 , die das gleiche aussagt.
Gruß Günter