gleich vorweg ein kleines Geständnis: ja ich bin schon länger hier, bestimmt ein dreiviertel Jahr oder länger, aber ich habe bis jetzt Abstand davon gehalten mich anzumelden, weil ich mir irgendwie doch immer gerne den Gedanken verdrängen wollte, dazu zu gehören.
Na wie dem auch sei, hier bin ich dann doch, irgendwie kann man dem ganzen Chaos auf der Hornhaut ja nicht so recht entkommen.
Aber mal kurz zu meiner „Leidensgeschichte“ (und ich möchte mich hier dezent zurückhalten, denn so schlecht geht es mir noch nicht):
Etwa im September 2004 wachte ich morgens auf und tastete nach der Fernbedienung um mich mit dem Frühprogramm zu langweilen (ich weiß, scheußliche Angewohnheit, aber seither bin ich ganz auf TV-Abstinenz), nur um zu merken, dass ich das Bild mit dem linken Auge recht unscharf wahrnehmen konnte. Rechts war alles wie gewohnt. War durchaus etwas beunruhigt, habe es aber auf die Tagesform geschoben, zudem kann ich mich daran erinnern, dass ich solche „spontanen Seheinbrüche“ schon einmal hatte, wenn es auch bereits einige Jahre her ist. Anschließend bin ich dann meist irgendwann zum Augenarzt und hab mir eine neue Brille verschreiben lassen. Dieses „meistens“ konnte sich allerdings dank Trägheitssatz schon mal etwas hinausziehen ... so auch dieses Mal. Bis ich merkte, dass die Unschärfe die folgenden Wochen noch zunahm und zuletzt soweit ging, dass sich Lichter oder einfach nur Objekte immer weiter in die Länge zogen, in einigen Fällen doppelt vorhanden waren. Im Anschluß bin ich dann recht schnell zu (m) einem hiesigen Augenarzt und habe die Sache angesprochen, der hat auch sehr schnell Keratokonus diagnostiziert, spontan eine kleine Skizze von einer Hornhaut und einer Spitze darauf gezeichnet und mir gesagt dass ich Kontaktlinsen für 300+ Euro kaufen solle und das würde dann schon gegenwirken. Joa ... ich hatte keine Ahnung von der Krankheit, aber auch nicht eben soviel Geld zu verschenken also bin ich zu einem anderen Arzt, der wollte zunächst gar nicht an diese Diagnose glauben, hat mich schließlich in die Hagener Augenklinik geschickt und die haben mich dann einen ganzen Tag durch die Mangel genommen. Als sämtliche Ergebnisse vorlagen schienen die Ärzte dort aber auch noch recht unsicher zu sein, letztendlich konnten sie sich dann aber wohl einigen und erzählten etwas von extremem Frühstadium, kaum erkennbar etc. Immerhin, die Diagnose stand, war theoretisch bestätigt und der zweite Augenarzt (mein aktueller) berichtete mir zumindest, dass die Krankheit gewöhnlich fortschreitend ist, dass zuletzt durchaus eine OP / Transplantation notwendig sei, die aber sehr unratsam wäre, da sich Narben bilden könnten und und und ... Jedenfalls empfahl er mir dann auch spezielle Kontaktlinsen, hat sich allerdings bemüht sie mir durchaus preisgünstig zu hinterlassen, die Anpassungsdaten hat er dann wohl von der Augenklinik übernommen, so daß ich davon ausgehe, dass die Anpassung recht ordentlich war.
Meine Augen sind auch eigentlich nicht sonderlich empfindlich, ich glaube manchmal meine Hornhaut sei eher mit der eines Elefanten zu vergleichen *g* Jedenfalls hatte ich seither kaum ein Fremdkörpergefühl wenn ich sie trage und in den meisten Fällen habe ich sie wirklich gar nicht mehr wahrgenommen.
Gegen Oktober / November 2005 ging es dann auch mit dem rechten Auge los, wobei ich danach den Arztbesuch immer wieder vor mir hergeschoben habe, da ich dennoch noch immer recht gut damit sehen konnte / kann. Mit den Kontaktlinsen ist kaum – wenn überhaupt – ein Unterschied zu spüren. Ich muß allerdings auch zugeben, dass ich die Linsen kaum tragen, dass ich nur selten „ein gutes Gefühl“ dabei habe. Irgendwie rät mir meine innere Stimme an den meisten Tagen sie draußen zu lassen. Vielleicht habe ich aber auch nur schon zuviel von Dr. Lombardi gehört
Ich habe mich in den letzten Monaten schon recht viel mit der Krankheit beschäftigt, auch mit den Stadien und kann wohl behaupten, dass ich mich noch im ersten befinde. Eigentlich erlebe ich zur Zeit nur eine recht ausgereifte „Stabsichtigkeit“ die im linken Auge halt nach links-links-oben entweicht und im rechten nach rechts-oben, also etwas steiler als im linken Auge. Dafür zieht sich das Bild auf dem linken Auge schon stärker (hat ja auch ein Jahr Vorsprung) und wenn ich das rechte Auge ganz schließe, sehe ich mit dem linken nicht sonderlich gut, ich würde etwa behaupten, so gut wie früher ohne Brille. Auf dem rechten sehe ich fast noch wie vorher, nur bei diffusen Sichtverhältnissen etwas unscharf, tagsüber erlebe ich ganz schmale Schatten an den Rändern von Objekten, während Nachts Lichtpunkte eher zu Lichtstrichen werden. Auf dem linken Auge ist das alles etwas extremer, wobei ich einen ganz bestimmten Unterschied festgestellt habe, den ich vermutlich nur schwer beschreiben kann. Links ist es so, dass die Sicht einfach nur „wandert“, sprich die Stabsichtigkeit wird im Prinzip immer länger. Auf dem rechten Auge war es so, dass direkt nach Anbeginn der „Unschärfe“, das Sichtfeld in 2 minimal voneinander entfernte Bilder gespalten wurde, sie jetzt beide diese Stabsichtigkeit aufweisen, die sich nach rechts entfernt. Also eine minimale Doppelsichtigkeit verbunden mit Stabsicht. Allerdings fällt diese Doppelsicht so gut wie gar nicht auf, wenn ich mich nicht genau auf Lichtquellen konzentriere.
Zu meinen Werten kann ich leider überhaupt nichts sagen, da sie mir gegenüber nie erwähnt wurden (und allmählich frage ich mich weshalb). Ich weiß nur, dass ich früher unter Kurzsichtigkeit litt, etwa –1,25 auf dem linken und -1,75 auf dem rechten Auge und dazu noch eine leichte Hornhautverkrümmung hatte. Wie genau die aussah – keine Ahnung. Mein Arzt hat mir vor ein paar Tagen wohl die Werte gegeben, aber seltsamerweise nur diejenigen meiner Brille und die sind noch vor meiner KC-Diagnose entstanden ... *grübel*
Ich kann allerdings die meiste Zeit noch sehr gut ohne Kontaktlinsen auskommen, tatsächlich lebe ich ja fast ausschließlich so. Die Linsen trage ich nur mhm ... einmal die Woche, vielleicht einmal alle zwei Wochen, wenn irgendetwas anliegt, das meine Augen sonst zu sehr anstrengen könnte, sprich, wenn ich mal ins Kino gehe oder dann doch mal den Fernseher anwerfe. Zum Autofahren und Arbeiten trage ich lieber die Brille und selbst ohne die kann ich mich durchaus noch auf die Straße wagen, selbst wenn die Umgebung etwas unscharf ist, aber ich finde mich noch gut zurecht, kann auch Schriftstärke 12 auf einen halben Meter Entfernung noch lesen ohne Brille.
Interessant ist (für mich jedenfalls) auch, dass ich, wenn ich das linke Auge etwas zusammenkneife, die Stabsichtigkeit völlig verschwunden ist und ich alles kristallklar erkennen kann, rechts ist es nicht ganz so leicht, weil da eben noch diese minimale Doppelsichtigkeit besteht die dann etwas mehr zur Geltung kommt, aber im Grunde doch ähnlich.
Nun ist es einfach so, dass ich mich frage ob sich dieser etwas ausgeprägtere Astigmatismus den ich zur Zeit noch habe, gar nicht mehr durch eine Brille ausgeglichen werden kann und ich schon zu Linsen verdammt bin, obwohl ich mich noch in einem angeblich so frühen Stadium befinde ... ?
Mein aktueller Augenarzt schüttelte etwas nachdenklich den Kopf und so manchmal kam in mir in jüngster Zeit der Gedanke auf, dass er einen Werbevertrag mit irgendeinem Kontaktlinsenhersteller haben mag, da er ohnehin überall Linsenwerbung hängen hat und sie so fördert. Vielleicht sollte ich ein weiteres Mal den Arzt wechseln, aber irgendwann gehen sie mir auch aus, insbesondere da viele der hiesigen Augenärzte keine Neupatienten aufnehmen – sind wohl total überlastet. Eigentlich hätte ich es auch nach Bochum oder Dortmund nicht weit, aber den Schritt wollte ich mir dann doch erst mal sparen. Allerdings habe ich alternative Behandlungsmethoden mal angesprochen und wurde ja gerade zu massiv abgewehrt, während Dr. Krumeich gar als Pfuscher bezeichnet wurde. Zudem merkte er an, dass ich noch zu jung sei für einen so schweren Eingriff (hey, ich bin bald 30), es sei noch zu früh, mhm ... mag ja was dran sein, insbesondere da ich scheinbar wirklich noch nicht allzu schlecht dastehe, aber eine Vernetzung zB sollte doch auch recht früh begonnen werden und ich bin einfach ständig am Grübeln ob es wirklich sinnvoll ist noch länger zu warten bis es dann wirklich richtig übel geworden ist oder gar zu spät für alles andere als eine Transplantation. Vielleicht ist eine ARK noch zu radikal, Vernetzung aber womöglich nicht? ... Andererseits habe ich in den vergangenen Jahren unter massiven Stressbedingungen gelebt, was sich jetzt allmählich auch drastisch ändert und ich denke darüber nach noch eine gewisse Weile zu warten, ob nicht diese Umstände auch einen nicht unbeachtlichen Einfluß auf die Fortentwicklung des Konus haben werden.
Am liebsten wäre es mir jedoch zunächst einmal, wenn es eine Brillenanpassung gäbe, die meine Sicht stabilisieren kann, damit ich nicht unbedingt auf Linsen angewiesen bin (kein Fremdkörpergefühl hin oder her, aber ich finde ein Leben mit Linsen unheimlich umständlich, insbesondere, dass ich immer eine Ewigkeit brauche um sie einzusetzen, dann das umhergewirtschafte mit den ganzen Flüssigkeiten ...) und dann im Anschluß eine grundlegende Überlegung wie ich weiter vorgehen soll. Etwas abwarten bis ich mich in mein geregeltes Leben eingewöhnt habe und dann, eine Vernetzung ins Auge fassen – no pun intended
In diesem Sinne,
Daniel
PS: Hatte die letzten zwei, drei Tage wohl mal wieder einen Schub, merke es ganz arg auf der rechten Seite, links würd mir das vermutlich gar nicht mehr auffallen. Zudem ist mir grad noch eine Frage eingefallen - weiß nicht ob ich es schon mal gelesen habe und einfach nicht mehr wiederfinde, aber mich interessiert, ob ich nach einer Vernetzung evtl noch eine ARK machen lassen könnte, oder ob dabei in dem Fall dann verstärkt Probleme auftreten würden ... ?